Mit der
Teilnehmerliste müsste ich normalerweise diesen Bericht vom
Sommerwochenende und der 32. Troll-Rallye vom 2.-3. Mai diesen Jahres
beginnen, denn mit einer solch imposanten Liste von Teilnehmern und
Saab-Fahrzeugen konnten wir seit den 80iger Jahren nicht mehr aufwarten.
Dabei dürfen wir an dieser Stelle ausnahmsweise die 80köpfige Gruppe
fast exakt in eine Hälfte Mitglieder und Bekannte „einteilen“, die
zweite Hälfte präsentierte sich mit „neuen“, unbekannten Gesichtern, die
sich über unsere Internetpräsenz zur Teilnahme am Treffen angesprochen
fühlten. Erstaunlich - aber möglicherweise rücken die Saab-Fahrer
aufgrund der Firmeninsolvenz enger zusammen?
In den letzten
Tagen vor der Veranstaltung ging es zwar ein wenig turbulent zu, Zimmer
bestellen - abbestellen, Abendessen abbestellen - bestellen, aber die
Damen der Rezeption des Schlosshotels Pommersfelden um Ivonne Hauser
und der Hotelliersfamilie Haag bekamen auch das in den Griff, so dass wir morgens um 6:30 Uhr am 01.
Mai mit gutem Gewissen in Richtung Bamberg anrollen konnten. Obwohl wir
erst für 14:00 Uhr ein erstes „Beschnuppern“ organisieren wollten,
sollten der Schlosshof und die Zufahrt nach Pommersfelden ausgeschildert
werden, das zu dieser zeitigen Anreise zwang. Es ist halt ein
Unterschied, ob sich vielleicht 20 oder 25 gute Bekannte treffen oder
zusätzlich noch weitere 30 Markenenthusiasten, denen es einen würdigen
Empfang zu bereiten gilt. Daher auch erstmalig der Erinnerungs-Aufkleber
für die Teilnehmer.
Für den
Nachmittag des 1. Mai hatten wir uns eine Ausfahrt zur
Schraubverbindung Bamberg bzw. zum Saab-Zentrum Bamberg ausgeguckt, die
mit einer Stadtbesichtigung verbunden werden sollte. Allein aufgrund
dieser Programmankündigung wuchs unsere vorzeitig anreisende Gruppe
täglich, bis wir letztlich über 40 Abendessen im Ölkännla bestellen
konnten. Dessen Wirt brachten wir durch unsere unangekündigte Anfahrt um
15 Uhr sichtlich in Verlegenheit, was ihm Schweißtropfen auf die Stirn
trieb und zu einem Hilferuf nach Wirtin Ute veranlasste. Auch Ellen und
Harald, die bereits eine Woche das Frankenland verunsicherten, trafen
pünktlich ein, ebenso konnten wir Louise und Derek Fletcher aus Alicante
in Spanien und Marita und Gauke Bouma aus Drachten in Holland in der
Schraubverbindung begrüßen. Leider mussten bereits am Donnerstag Monique
und Claudius wegen einer Erkrankung absagen und am Morgen des 1. Mai
verabschiedete sich auf der Anfahrt der Turbolader von Holgers 9-5
Diesel, was die Familie zur Rückkehr nach Twielenfleth veranlasste.
Dass Saab-Fahrer
überwiegend nicht nur sympathische Menschen sind, sondern sich zudem
auch offen und sehr zugänglich präsentieren, das bewiesen auch diesmal
die Teilnehmer und machten es den Organisatoren sehr einfach. Während
sich Doris und Peter spontan der Getränke-Bestellung und Ausgabe
annahmen, durften wir eine gut gelaunte Gruppe in dem wunderschönen,
stimmungsvollen Ambiente des Clublokals des Bamberger Stammtisches
begrüßen, direkt unter der ehemaligen, historischen Saab-
Leuchtreklametafel, die wir bereits 1981 bei einem ehemaligen Dürener
Saab-Händler auf Anweisung des damaligen Pressesprechers abmontieren
durften. Nach der Begrüßung entschloss sich eine Gruppe zur
Stadtbesichtung aufzubrechen, die restlichen Teilnehmer erwarteten
dagegen den Eigentümer der Schraubverbindung Michael Höllein, der in
unnachahmlich kurzweiliger Form eine Führung durch sein „Allerheiliges“
gewährte, durch seine Oldtimer-Restaurations-werkstatt, Museum,
Rückzugsräumlichkeit oder wie man sonst sein Refugium nennen könnte.
Dort lassen sich ehemalige Rennfahrzeuge, Porsche GT2, Formel V oder
Super V, Bergrennfahrzeuge, restaurierte oder auch unrestaurierte
Oldtimer und auch neuere Fahrzeuge bestaunen, zu deren Historie der
ehemalige aktive Rennfahrer eine Menge zu erzählen wusste. Langeweile
dürfte ihm beim Umfang der unrestaurierten Fahrzeuge auch in Zukunft ein
unbekanntes Wort sein und bleiben. Nicht nur mit der Einrichtung seines
„Museums“ bewies er eine glückliche Hand, auch bei den vermieteten
Werkstätten, die er rundum erstellen ließ, dreht sich alles um das
Thema Auto, kleines „Meilenwerk“ mit dem neuen Saab-Zentrum Muckelbauer
im Mittelpunkt.
Gegen 18 Uhr, zu
dem Zeitpunkt vereinigten sich wieder die beiden Gruppen, folgte ein
lockeres Beisammensein im „Keller“ bzw. ein schwedisches Abendessen für
Saab-Freunde im Ölkännla, gravad Lax auf Toast mit Senf-Dillsauce und
Köttbullar mit Kartoffel und Lingon. Wir bestätigten bereits an dieser
Stelle die kundige Hand des Innenarchitekten, der mit viel Fantasie,
Geschmack und Einfühlungsvermögen die Einrichtung des Bistros entwarf,
eine Augenweide allein der umgebaute Alfa Romeo-Motor als Zapfanlage, wo
sieht man so was schon? Oder vielleicht werfen Sie beim Besuch einen
Blick in die Männertoilette......
Nach einer
wundervoll ruhigen Nacht und einem ausgedehnten Frühstück, ein prüfender Blick auf
die bereit stehenden Teilnehmer-Unterlagen, die mit netten
Saab-Kleinigkeiten aus dem Fundus des Eventmanagements der
Saab-Deutschland GmbH, unser Dank an Frau Natascha Kujat, und
Anschaffungen aus der Clubkasse gefüllt waren, erwarteten wir voller
Anspannung und mächtigem Adrenalinausstoß die Anreise der übrigen
Teilnehmer. Und sie kamen alle, geleitet durch Ausstellungsfahrzeuge des
Saab-Zentrums Muckelbauer und der Ausschilderung, fanden sie schnell den
Platz zum Innenhof des Schlosses.
Leider mussten
wir auf die beiden gemeldeten Sonett III verzichten. Gaukes rotes Auto
verweigerte den ordnungsgemäßen Betrieb und begnügte sich mit Ruckeln
und einem unrunden Lauf, so dass unsere holländischen Freunde aus
Drachten doch lieber mit einem intakten 9-3 die fast 700 km unter die
Räder nahmen. Derek hingegen wollte sich und Louise die 2000 km Anfahrt
in einer Sonett III der Gruppe 2 wegen der allgemeinen Unbequemlichkeit
eines solchen "Ritts auf der Kanonengugel" ersparen, verständlich,
schließlich versagt bereits nach wenigen Hundert Kilometern das
menschliche Gehör. Trotzdem, wir freuten uns über jeden anreisenden
Teilnehmer und waren doch erleichtert, dass auch die restlichen
Rheinländer, überwiegend aus Mönchengladbach und Umgebung, den Weg ins
Fränkische fanden. Auch mehrere Mitglieder des 1. Deutschen Saab-Clubs
Dortmund mit Gesche, Dieter und Malte fanden zu uns, wobei sich Gesche
aus Schleswig mit der DB auf den Weg machte.
Da wir auf einen
Sektempfang im Hotel verzichteten, konnten Peter und der Autor alle
Teilnehmer mit den hoffentlich passenden Worten unter freiem Himmel,
Sonnen beschienen, begrüßen und die obligatorische Fahrerbesprechung zur
32. Troll-Rallye durchführen, nicht ohne die ausdrücklichen Hinweise auf
die entsprechenden Tempolimits, die fehlende Zeitwertung und dem
touristischen Charakter der Ausfahrt, die sich langsam fast schon zu
einer Old– und Youngtimerrallye entwickelt hat, sieht man die gemeldeten
Baujahre der Fahrzeuge. Wir erkennen dabei zwar auch Saab des Baujahres
2009, z.B. das 2009er Cabrio von Thomas, aber überwiegend sehen wir 900
und 9000 aus Anfang und Mitte der 90iger Jahre. Dabei dürfen wir nicht
die Autos von Peter Angersdorfer, Paul-Karl Krings und Karl Wöhr
unerwähnt lassen, die sich trotz ihres Alters in fast neuwertigem
Zustand präsentierten. Einen Concours d´Elegance führten wir jedoch
nicht durch, obwohl sich einige wenige Teilnehmerautos aufgrund ihres
Pflegezustandes sicherlich eine "Rüge" eingeholt hätten. Eimer und
Wasser waren zudem vorhandene Utensilien bei Derek und Gauke, die ihre
Fahrzeuge am frühen Morgen bereits in Ausstellungszustand brachten.
Pünktlich, um
eine Stunde vorgezogen, durften die ersten Teilnehmer um 13 Uhr an den
Start gehen. Der Kilometerstand wurde notiert (Wertung bei
Punktgleichheit); die letzten Instruktionen erhielten wir von Peter, der
uns anschließend die Kartenunterlagen aushändigte. Da sich mehr oder
weniger alle Teilnehmer bereits im Vorfeld zu Teams zusammen gefunden
hatten, blieben Despina Justrabeau und wir am Ende des Feldes übrig und
die promovierte Tierärztin aus der Nähe von Kaiserslautern ging Solo auf
die Strecke; sie folgte unserem 9-3 aber nur wenige Kilometer, um sich aufgrund
unserer längeren Eingewöhnungszeit auf das ungewohnte,
gewöhnungsbedürftige Kartenmaterial mit dem 9-5T in flotter Gangart "in
Luft" aufzulösen.
Mit herrlichem
Sonnenschein lenkte uns die 145 km lange Strecke durch malerische
Ortschaften. Da mir jedoch das Kartenmaterial nicht mehr vorliegt, kann
ich die Strecke unmöglich rekonstruieren. Aber fotographische
Erinnerungen sind geblieben, nicht nur die Kaffeepause an Burg
Rabenstein und die dort gestellte Frage nach der ehemaligen Burgherrin,
die uns an meine Heimatstadt "Kerppen"
erinnerte, sondern im Gedächtnis blieb mir insbesondere die Abfahrt zum
Campingplatz Bärenschlucht und die eindrucksvolle Kulisse der
Kalksteinfelsen. Ein weiteres Highlight war auch die Anfahrt zu einer
Mühle und der Abzweig in dem mir unbekannten Flecken mit insgesamt
weniger als 5 Häusern. 36 Mühlradschaufeln sollten wir dort unten im
Talgrund zählen. Was war nun eindruckvoller? Die kurvenreiche bergab
Passage oder die Begegnung mit dem stahlblauen Viggen mit Kurt auf dem
heißen Sitz des Beifahrers und Tino hinter dem Steuer? Ab jetzt sahen
wir sie öfter, nicht nur von vorn - uns entgegen kommend, auch im
Rückspiegel huschte der stahlblaue Superschwede durch den Rückspiegel,
getreu dem Slogan: Born from Jets. Kurt
erinnerte sich beim Clubabend besonders an die Kraftentfaltung des
getunten Viggen´s, aber nur an wenige Örtlichkeiten der Troll-Rallye,
außer an gelbe Flecken, die sich beim Kartenstudium im Augenwinkel
einblendeten. Gemeint waren wohl die blühenden Rapsfelder der Umgebung.
Dabei erinnere ich mich besonders gerne an die letzten 20 oder 30
Kilometer unserer Ausfahrt. Wurden wir dabei wieder über eine der
zahlreichen Nebenstraßen gelotst, die wir in unseren Breiten als Feldweg
bezeichnen würden. Nach einer Walfahrtskirche konnten wir tatsächlich
zwei Störche auf dem angrenzenden Wiesengrundstück ausmachen, wobei wir
uns bereits kurz vor dem Ziel der 32. Troll-Rallye bei Pommersfelden
befanden, wo wir vor 18 Uhr eintrafen und den reservierten Parkplatz
wieder einnehmen konnten.
Nachzutragen
wäre, dass wir auf den eingebauten Sonderprüfungen etwa in der Mitte der
Strecke vollkommen versagten, galt es im Team einige Ballwechsel im
Federballspiel zu bewältigen. Auch die Frage nach den verfügbaren
Außenfarben des letzten 900er Baujahres wussten wir nicht zu
beantworten. Es waren immerhin vierzehn Stück, wie auch auf der
Farbtafel von 1989. Nach dem gemeinsamen Abendessen, angerichtet im
Barocksaal als mehrgängiges Buffet, schritten wir zur Siegehrung der
Ausfahrt, die der Mehrzahl der Teilnehmer sichtlich Freude bereitet
hatte. Jeder Teilnehmer erhielt dabei eine entsprechende Urkunde mit
den Angaben zum Auto und der erreichten Punktzahl. Dazu konnten wir für
die ersten drei Platzierungen Saab-Sachpreise überreichen, die uns Ralf
Muckelbauer kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Herzlichen Dank. Den Gesamtsieg der 32. Troll-Rallye gewannen auf einem
9-3 Turbo-X Kerstin und Werner Rank als Gastfahrer des Autohauses, vor
Familie Twardzik mit Sonja, Thomas und Tristan. Als Dritte wurden
Christina und Gunther Knopf gewertet, die damit Clubbeste wurden und die
historischen Club-Wanderpokale erhielten, die der Verein zur
Restaurierung nach Kerpen zurück nahm. Die Troll-Rallye-Profis und
Seriengewinner der vergangenen Jahre versagten kläglich, was sie jedoch
mit Humor zur Kenntnis nahmen. Die Feierlichkeiten erstreckten sich bis
in die frühen Morgenstunden. Es war wohl 2:30 Uhr, als die letzten
Nachtschwärmer ihr Zuhause fanden.
Leider vergaßen
wir am Abend die Vorankündigung des Sonntagsprogramms, so dass wir die
ersten abreisenden Teilnehmer bereits verpassten, die sich sehr zeitig
auf den Heimweg gemacht haben. Schade, eine kleine Ausfahrt im Konvoi
und der Kofferraumverkauf von Saab-Devotionalien aus Tinos Kofferraum
wurden nicht mehr durchgeführt. Die Zeit verging durch Gespräche hier
und da im Flug und nach und nach leerte sich der Hof. Wir dagegen hatten noch mit Louise und Derek eine
weitere Nacht gebucht und konnten noch einen wunderschönen Nachmittag im Grieser Bierkeller
zusammen mit Doris und Pit verbringen. Mit einem sonnigen
Montagmorgen, den wir noch zu einem Besuch beim Saab-Zentrum nutzten,
ließen wir das Sommerwochenende ausklingen. Nochmals lieben Dank an
Doris und Peter und auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr im "Alten
Land", wo wir hoffentlich mehr Zeit füreinander haben. Ina, Holger
und Andreas freuen sich schon auf unseren Besuch.
wv